Kaplan Mag. Thomas Rörig
Augustiner-Chorherr von Reichersberg

Die Berufung im Alltag mit Gottes Hilfe leben!

Vom Herrn und zu ihm gerufen, zugleich zu seinen Menschen gesandt: Um miteinander das zu werden, was wir empfangen haben.

 

Priesterweihe: 24. Juni 1994 in Reichersberg am Inn

Primiz: 26. Juni 1994 in Tübingen, Deutschland

Die Seite des Kaplans

 

 

 

 

   

Weihnachten - das Fest der Liebe und des Friedens

Weihnachten ist der Tag der Geschenke in den Familien und unter Freunden. Welche religiöse Bedeutung und Tragweite dieser Tag hat und was die Geste des Schenkens bedeutet, ist freilich weniger bewußt, aber auch nicht völlig aus dem Bewußtsein der Leute geraten. Die Erzählung aus dem Evangelium nach Lukas dürfte in den Grundzügen sogar den Menschen bekannt sein, die mit Kirche und christlicher Weihnachtsfeier nicht mehr sehr viel zu tun haben: Krippe und Herberge, die Reise nach Bethlehem sind Elemente des allgemeinen Kulturgutes geworden.

So wie die Menschen bei uns Weihnachten feiern, hat das Fest aber seine Spitze verloren: Die Geschichte hat eine weihnachtliche Dimension bekommen, die Krippe – nicht der Stall -, die ungemütliche Suche nach einer Unterkunft, die schwangere Maria auf dem Esel, die Hirten und die Engelschar füllen den weihnachtlichen Himmel aus; die Härte wird nicht nachempfunden. Aber ob es uns passt oder nicht: Krippe und Kreuz gehören von Anfang an zusammen, was wir mit dem Wort „Verherrlichen“ ausdrücken. Der Stern von Bethlehem ist ein Stern in finsterer Nacht, auch heute noch. Schon am zweiten Tag des Festkreises legt die Kirche die weißen Festgewänder ab und kleidet sich in die Farbe des Blutes, und am vierten Tag in das Violett der Trauer: Stephanus, der Erzmärtyrer, der als erster dem Herrn im Tod nachgefolgt ist, und die Unschuldigen Kinder, die Säuglinge ( nicht nur von Bethlehem und Juda! ), sie stehen als Gefolge um das Kind in der Krippe. Was will das sagen? Wo ist nun der Jubel der himmlischen Heerscharen, wo die stille überwältigende Glückseligkeit der Heiligen Nacht? Wo der Friede auf Erden?

Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind. Aber nicht alle sind guten Willens. Darum musste der Sohn des ewigen Vaters aus der Herrlichkeit des Himmels herabsteigen, weil das Geheimnis der Bosheit die Erde in Nacht gehüllt hatte. Finsternis bedeckte die Erde, und er kam als Licht, das in der Finsternis leuchtet, aber die Finsternis hat ihn nicht begriffen. Die ihn aufnahmen, denen brachte er das Licht und den Frieden. Heute wie damals sehnen sich Menschen und erwarten etwas, was sie selber nicht machen können: Eine friedlose heillose Welt erfährt Frieden, die Dunkelheit der Nacht wird vom Licht erhellt. Dem verlorenen Menschen wird der Erlöser geschenkt. Das ist Grund genug, daß die Himmelsschar auf die Erde heruntersteigt. Der Gesang der Engel ist nicht nur Lobpreis, sondern auch ein Programm: Der allumfassende Friede = die Rettung, die Erlösung, das Heil des Menschen auf Erden ist die Ehre Gottes in der Höhe. Die Menschen sind von ihm mit Gnade beschenkt: ein Kind, der Retter wurde ihnen geboren. Dadurch sind sie Menschen seiner Gnade, dadurch erhalten sie seinen Frieden, dadurch wird Gott Ehre erwiesen.

Was können wir in unserem Leben mit dieser schönen Weihnachtsgeschichte anfangen? Wir Menschen haben von Gott Gnade, Heil und neues Leben geschenkt bekommen: Er hat uns den Retter und Erlöser, den Messias, unseren Herrn Jesus Christus gegeben. Das bezeugt die Sorge Gottes um uns, seine viel geliebten Menschen, seine Zuwendung zu uns. Wir haben die Möglichkeit, uns wie die Bewohner Bethlehems oder wie die Hirten zu benehmen. Die ersten haben Jesus abgelehnt, die Hirten haben ihn besucht. Die einen blieben in ihrer Unwissenheit, die anderen aber „priesen Gott.“ „Gott zu lobpreisen“ heißt hier nichts anderes als ihm zu danken für das großartigste Geschenk Gottes, sich als Erlöste, als Gerettete zu begreifen und zu empfinden; sich selber treu zu bleiben und sich zu bemühen, auch nach dem Geist der Liebe Jesu Christi zu leben. Jeder Mensch kann den Gang zur Krippe auf sich nehmen, um Jesus Christus, den Heiland und Retter in der Machtlosigkeit und Armut des Kindes in der harten Krippe zu erkennen und Gott mit den Heerscharen der Engel und mit den Hirten auf dem Feld dafür aus ganzem Herzen dafür zu preisen. Macht uns das nicht zu frohen, zufriedenen Menschen, die überhaupt keinen Grund haben, gerade auch im Leid und Leiden die Hoffnung aufzugeben.

Ganz im Gegenteil: wir sind herausgefordert, an das Gute heute und auch morgen und im neuen Jahr - zu glauben und Gott alle Liebe zuzutrauen; denn für ihn ist alles möglich!

Kaplan Mag. Thomas Rörig

(Verwendete Literatur: Hans Zirker, Zugänge zu biblischen Texten. Düsseldorf 1986; Sel. Edith Stein: Am Kreuz vermählt. Benziger Verlag ).

 
         
         
         
         
 

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