Kaplan Mag. Thomas Rörig
Augustiner-Chorherr von Reichersberg

Die Berufung im Alltag mit Gottes Hilfe leben!

Vom Herrn und zu ihm gerufen, zugleich zu seinen Menschen gesandt: Um miteinander das zu werden, was wir empfangen haben.

 


 
 
Die Seite des Kaplans
   

Konfliktbewältigung

Nicht der Konflikt an sich ist das Problem, sondern unsere Unfähigkeit, damit umzugehen. Wo Konflikte in der (Pfarr-)Familie auftauchen, werden sie von vornherein negativ gesehen. Besser wäre es, sie positiv als Herausforderung anzunehmen, sich ihnen zu stellen, die eigene Position zu überdenken, zu lernen, Spannungen auszuhalten, mit unterschiedlichen Standpunkten zurecht zu kommen. Geduld ist dafür unbedingt notwendig!

Wie entstehen Konflikte?
Jede Gemeinschaft besteht aus unterschiedlichsten Menschen. Persönliche Ansprüche der einzelnen und gemeinsame Ziele lassen sich meist nicht so leicht vereinbaren, sie geraten immer wieder in Spannung zueinander. Ein konfliktfreies Zusammenleben ist also gar nicht möglich. Doch wie wenige Menschen in einer Gruppe sind offen genug, zu lernen, mit Konflikten fair umzugehen? Doch ist nicht gerade dieser Umstand ein Zeichen von Lebendigkeit?

 

 
Die hl. Schrift bietet Muster an Konfliktkultur
   

Auch die hl. Schrift kennt solche Konflikte. Denken wir an das Apostelkonzil von Jerusalem im NT oder an die Beispielerzählung von Jakob und Esau im AT. Die Hl. Schrift bietet deshalb so etwas wie ein Muster an Konfliktkultur, weil sie von menschlichen Alltagserfahrungen ausgeht. Sie werden aufgegriffen und im Licht des Glaubens umgedeutet. Freilich kann sie keine Patentrezepte für Konfliktlösungen bieten. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, „Spielregeln“ zu entwerfen, um zu lernen, mit Konflikten gut umzugehen, damit sich nach und nach eine „Streitkultur“ entfalten kann. Dabei müssen wir unterscheiden zwischen der Sache und der Person.

 

 
Geschenk der göttlichen Versöhnung im hl. Sakrament
   

Wie sehe ich mich selbst? Meinen Mitmenschen? Gott?

Jeder Mensch hat eine einmalige unantastbare Würde, Ansehen vor Gott. Gut ist es, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, statt über den anderen Macht auszuüben oder ihm mit Vorurteilen und Mißtrauen zu begegnen. “Bei euch aber soll es nicht so sein!" Bevor wir auf die Schuld anderer schauen, müssen wir unser eigenes Leben von Gott anschauen lassen und in Ordnung bringen. Nur wer es fertig bringt, sich selbst zu überwinden, kann schuldbeladen einen Schritt auf Gott zugehen. Er wird fähig, das großartige Geschenk der göttlichen Versöhnung im hl. Sakrament sich neu schenken zu lassen und es annehmen. Erst so kann er sich selbst vergeben, ist geliebtes Kind Gottes. Er steht sich selbst und anderen nicht mehr im Weg, sondern ist offen für Begegnung. Was die Sachebene anlangt, so dürfen Argumente nicht übereilt ausgesprochen werden, auch nicht die Lautstärke bei einem Gespräch ersetzen. Nach gründlicher Abwägung der unterschiedlichen Überzeugungen müssen die Betroffenen zu einer verantwortungsbewussten Entscheidung kommen.

 

 
Vorbild Gottesmutter Maria
   

Wenn die Versöhnungsbereitschaft nicht vorkommt, die der Herr uns anbietet, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Wesentliche Voraussetzung, um einen Konflikt zu entschärfen, ist die Fähigkeit, zuzuhören, was der andere zu sagen hat, ihm nicht taktlos ins Wort zu fallen, sondern ihn gefälligst ausreden zu lassen. Deshalb ist der Mensch auf dem Weg einer Konfliktlösung schon weit fortgeschritten, der gelernt hat, zuzuhören. Für mich ist die Gottesmutter Maria Vorbild: Sie bewahrte die Worte bei sich und erwog sie in ihrem Herzen.

 

 
Zuhören, was der andere zu sagen hat
   

Ohne Zuhören kann kein Dialog - Rede und Antwort - gelingen. Im Sprachspiel gesagt: Erst im Wort und Gegenwort gelingt die Antwort. Weiter ist entscheidend eine klare, eindeutige verständliche Sprache, damit die Botschaft zwischen Sender und Empfänger auch ankommt. Denn oft sagen Menschen etwas anderes, als sie meinen, und sie meinen etwas anders, als sie sagen. Das führt zu verhängnisvollen Mißverständnissen, die sie sich ersparen können. Die biblische Botschaft von der alles umfassenden Nächstenliebe zielt auf einen Sieg ohne Niederlage. Sie ist eine Absage an den Versuch des Menschen, „Lieber Gott" zu spielen. Der menschliche Unheilsentwurf mit dem Prinzip "jeder gegen jeden“ kennt am Ende nur Verlierer. Die Botschaft der Bergpredigt dagegen nur den göttlichen Heilentwurf: Er preist die selig, die um des Gottesreiches willen keine Gewalt anwenden. Wo es Christen gelingt, im anderen nicht den Feind, sondern den Menschen zu sehen, braucht keiner sein „Gesicht zu verlieren“. Wir wollen den anderen so gut behandeln, wie wir erwarten, daß er uns behandelt!

 

 
Konflikte als Chance für Neuaufbruch
   

Wir müssen uns wieder neu bewußt werden: Konflikte sind nicht zu vermeidende Probleme, aber sie bergen in sich die Chancen eines Neuaufbruchs. Gemeinsame Konflikte bedürfen einer gemeinsamen Lösung. Wir müssen uns und dem Nächsten Gutes zutrauen und Gott vertrauen. Dann lebt unsere Pfarrfamilie aus dem Geist der Frohbotschaft, dann bleibt sie lebendig. Nur so kann eine "Kultur der Versöhnung" entstehen. Mit- und Füreinander weil einander, von Gott anvertraut. So bringen wir Gott zum Ansehen in unserer Pfarrfamilie und wir sind auch beim ihm angesehen!

Kaplan Mag. Thomas Rörig

 
 

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